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Wie Bewerber wirklich ticken. Die Wissenschaft hinter dem perfekten Match.

Von Sophie Verschoor am 26-02-2019
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Bei YoungCapital sind wir überzeugt davon, dass es die Mitarbeiter sind, mit denen ein Unternehmen fällt oder steht. Unser Kopf entscheidet über unser Verhalten am Arbeitsplatz. Wer die richtigen Leute am richtigen Ort haben will, konzentriert sich nicht nur auf den Lebenslauf, sondern versetzt sich auch in das Gehirn des Bewerbers. Mit den richtigen neuropsychologischen Tests können Sie einen Blick unter die Motorhaube Ihrer potenziellen Mitarbeiter werfen und gleich schon mal eine Probefahrt machen.

Unser Gehirn ist das, was uns ausmacht, auch auf der Arbeit. Ob es sich um ein Meeting, ein Dokument, das wir ausarbeiten, oder eine E-Mail handelt, die wir beantworten – Wie wir funktionieren hängt von den mikroskopischen Einzelheiten unseres Gehirns ab.

Diese Eigenschaften können mithilfe neuropsychologischer Untersuchungen analysiert werden. Bei YoungCapital ist dies eine der Aufgaben der Neurowissenschaftlerin Dr. Marcia Goddard.

„Es ist in der Tat erstaunlich, dass bis jetzt in Auswahlverfahren gar nicht auf die Funktionsweise des Gehirns geachtet wurde“, sagt Goddard. „Ein Mitarbeiter, der gut zu einem Job und Arbeitgeber passt, ist zufriedener, motivierter und möchte länger in dem Unternehmen bleiben. Kurz gesagt: Je besser der Match, desto länger die Beziehung.“

Job Interview

Neuropsychologische Tests

Goddard hat für YoungCapital eine neuropsychologische Testreihe entwickelt, die es Recruitern ermöglicht, genau zu sehen, was jemand auf dem Kasten hat. „Immer öfter werden Persönlichkeitstests durchgeführt, um den perfekten Kandidaten zu finden. Wenn man aber wirklich wissen will, auf wen man sich einlässt, dann sollte man außer einem Persönlichkeitstest auch einen neuropsychologischen Test machen. Mit neuropsychologischen Tests kann man die Fähigkeiten eines Menschen erkennen. Was kann der Kandidat? Wie sieht es zum Beispiel mit seinen Multitasking-Fähigkeiten aus? So lässt sich herausfinden, wie Bewerber wirklich ticken.

Wenn es nach Goddard ginge, sollten Mitarbeiter nicht mehr nur aufgrund ihres Lebenslaufs, sondern auch auf Basis von Persönlichkeitstests und neuropsychologischen Tests eingestellt werden, in denen ihr Charakter und ihre Denkweise analysiert werden. „Für jede Tätigkeit braucht man eine bestimmte Persönlichkeit und eine bestimmte Gehirnleistung, um die Arbeit richtig durchführen zu können“, sagt Goddard. Wenn beide Arten von Tests eingesetzt werden, weiß man viel besser, wen man einstellt und was derjenige drauf hat.“

Volkswagen Polo, Landrover oder Ferrari?

Um den Unterschied zwischen diesen Tests zu verdeutlichen, verwendet Goddard eine Auto-Analogie. “Abhängig von der Funktion suchen Sie einen Volkswagen Polo, einen soliden Landrover oder einen Sportwagen, wie den Ferrari 488. Das Auto, dass Sie sich schließlich anschaffen, muss können was Sie wollen das es kann. Aber das können Sie am Aussehen des Autos nicht erkennen. Beim Blick auf den Lebenslauf könnten Sie denken, dass Sie sich einen Ferrari mit einer Geschwindigkeit von 330 Stundenkilometern anschaffen. Aber was passiert, wenn Sie erst später dahinterkommen, dass in dem Ferrari ein Volkswagen-Motor eingebaut ist? Dann verfügt Ihr neuer Mitarbeiter nicht über die erwarteten Fähigkeiten.”

Glücklicherweise können Sie das Auto vorab komplett durchchecken. “Mit Persönlichkeitstests können Sie einen Blick unter die Motorhaube werfen. Mit neuropsychologischen Tests hingegen, machen Sie eine Testfahrt”, sagt Goddard. “Der Ferrari soll in der Theorie in 3 Sekunden von 0 auf 100 beschleunigen, aber stimmt das in der Praxis auch wirklich?”

Vortäuschen ist keine Option

Persönlichkeitstest, oftmals durchgeführt anhand eines Fragebogens, geben nicht immer eine genaue Vorhersage. “Bei einem Persönlichkeitstest ist es möglich, das Ergebnis zu beeinflussen, indem man den Fragebogen nicht ganz wahrheitsgemäß ausfüllt”, erklärt Goddard. “Bei einem neuropsychologischen Test ist Vortäuschen keine Option. Der Kandidat handelt gegenwärtig, wodurch Täuschung ausgeschlossen wird.”

Während eines neuropsychologischen Tests werden Kandidaten anhand von einigen (online) Spielen auf die Probe gestellt. Um eine hohe Punktzahl zu erreichen, benötigt der Kandidat bestimmte neurologische Funktionen, Fähigkeiten, mit denen man einfach nicht vortäuschen kann. Je besser diese Funktionen entwickelt sind, desto besser sind die Leistungen.

Das Wichtigste, worauf man bei der Verwendung von neuropsychologischen Tests achten sollte? ”Wende nicht nur ein, sondern mehrere Instrumente an. Dadurch, dass wir bei YoungCapital mit verschiedenen Tools arbeiten, können wir die Ergebnisse all dieser Tests vergleichen und der Recruiter erhält einen umfangreicheren Eindruck des Kandidaten”, sagt Goddard. Und das ist ideal, sowohl für den Bewerber als auch für den Arbeitgeber. Denn je besser die Funktion zu der Persönlichkeit und der Fähigkeiten eines Kandidaten passt, desto größer sind die Chancen auf Erfolg und Freude bei der Arbeit.

Lächelndes Mädchen bei YoungCapital

Fokus auf die Unternehmenskultur

Wer die richtigen Menschen am richtigen Ort haben will, sollte nicht einzig und allein auf das Gehirn achten, sondern auch darauf, dass die Denkweise und Einstellung gut in die Unternehmenskultur passt. Ein Bewerber kann nämlich noch so schlau sein, die perfekte Persönlichkeit haben und sich in neuropsychologischen Tests hervorheben, doch wird ein Kandidat nicht nach seiner Eignung fürs Unternehmen ausgewählt, führt dies langfristig zu hohen Fehlzeiten und Fluktuationsraten.

Zurück zum Auto-Check. Goddard: “Sie haben einen Blick unter die Motorhaube geworfen und eine Testfahrt gemacht. Aber wo wollen Sie genau mit diesem Auto hinfahren? Fahren Sie auf einer Rennstrecke? Dann ist ein Ferrari am besten geeignet. Wollen Sie lieber Fahrten im Gelände machen? Dann müssen Sie sich für einen Land Rover entscheiden. Kurz gesagt: Egal, wie gut der Bewerber zu scheinen mag, passt er auch wirklich zur Unternehmenskultur?”

Es gibt zahlreiche Assessments, die die Übereinstimmung zwischen dem Charakter des Kandidaten und der vorherrschenden Kultur in einem Unternehmen feststellen können. Die Meisten basieren jedoch auf etwas älteren Organisationsmodellen, die sich nicht unbedingt auf den modernen Arbeitsmarkt übertragen lassen.

Aus diesem Grund hat Goddard für YoungCapital ein neues Messverfahren entwickelt, das auf einem ausführlich untersuchten Konzept aus der Neurowissenschaft basiert: Growth Mindset. Das Mindset bestimmt, wie entwicklungsfähig jemand ist. “Nur weil jemand heute etwas nicht gut kann, heißt es nicht, dass er sich in einem Jahr nicht in dieser Sache übertreffen kann”, erklärt Goddard. “Denken Sie an die 10.000 Stunden Regel: Durch das stetige Üben und Erreichen von Fortschritten, wird man immer besser und vielleicht sogar irgendwann der Beste.”

Fixed Mindset oder Growth Mindset

Unterstützt wird diese Theorie von den Ergebnissen der amerikanischen Psychologin Prof. Dr. Carol Dweck. Sie identifizierte zwei Arten von Denkweisen, die eine wichtige Rolle bei der Bestimmung des Erfolgs von Menschen innerhalb eines Unternehmens spielen: Das Fixed Mindset und das Growth Mindset.

Menschen mit einem Fixed Mindset haben eine “feste Denkweise”. Sie glauben daran, dass ihre Intelligenz, Talente und Fähigkeiten festgelegt sind. Demnach muss man sich mit dem was man hat zufrieden geben. Dies ist allerdings keine geeignete Einstellung zu einer Zeit, in der sich die Technologie rasend schnell entwickelt.

Menschen mit einem Growth Mindset hingegen, sind intrinsisch motiviert und arbeiten nicht nur "fürs Geld". Sie sind entwicklungsfähig und erkennen, dass Zusammenarbeit eine gute Möglichkeit ist, um neue Fähigkeiten zu erwerben. Im Gegensatz zu Menschen mit einer festen Denkweise haben sie keine Angst, Fehler zu machen. Sie erkennen, dass das Verlassen der Komfortzone der beste Weg ist, um etwas Neues zu lernen.

 

“A COMPANY THAT CANNOT SELF-CORRECT CANNOT THRIVE” CAROL DWECK

 

Goddard: "Wenn man am Arbeitsplatz weiterhin interessant bleiben will, muss man bereit sein, weiter zu lernen. Ein Growth Mindset ist daher das grundlegende Merkmal einer wachstumsfördernden Unternehmenskultur". Ein Arbeitsplatz voller "fester Denker"? Das muss keine Katastrophe sein. Goddard: "Durch die Gewinnung neuer Mitarbeiter, die bis zu einem gewissen Grad von dieser Norm abweichen, kann man sich als Unternehmen in Richtung der gewünschten Kultur bewegen.

Sie können die Einstellung Ihrer Mitarbeiter auch mit den richtigen Coaching-Techniken trainieren. Wie man das macht? Zum Beispiel, indem man aufhört, das Endergebnis zu loben, sagt Goddard. "Sagen Sie nicht: ‘Fantastische Arbeit, das können Sie wirklich gut!’ Sondern: ‘Ich bin beeindruckt, Ihr Engagement ist wirklich fantastisch! Sie haben sehr hart gearbeitet!’ Damit stimulieren Sie ein Growth Mindset: Wenn Sie dafür kämpfen, ist alles möglich.

Lassen Sie Ihre Mitarbeiter ab und zu etwas Neues ausprobieren. Lassen Sie sie beispielsweise einen Tag in einer anderen Abteilung verbringen oder vergüten Sie Kurse, die nicht in direkter Verbindung mit beruflichen Verantwortungen von jemandem stehen. Dies sind alles Möglichkeiten, ein Fixed Mindset zu stimulieren.”

 

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