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Wer durch eine Prüfung fällt oder sie mit einer schlechten Note abschließt, kann Widerspruch einlegen. Welche Prüfungen mit welchen Erfolgsaussichten angefochten werden können - mehr dazu erfährst du in diesem Blogbeitrag.

Lachende Frau am Laptop

Was versteht man unter einer Prüfungsanfechtung?

Ziel einer Prüfungsanfechtung ist, sich gegen Gesetzesbrüche seitens einer Universität, einer IHK (Industrie- und Handelskammer) oder auch einer anderen Bildungseinrichtung zu wehren, wobei es sich auch um eine staatliche Prüfung handeln kann. Häufig werden Prüfungen angefochten, mit denen ein Studium abgeschlossen wird oder die Teil einer Abschlussnote sind. Mögliche Gründe können Bewertungsfehler oder Verfahrensfehler sein. Anderes gilt für IHK-Prüfungsanfechtungen, deren Ursache in den zum Teil fehlerhaften beziehungsweise rechtswidrigen Prüfungsordnungen begründet ist.

Gegenstand einer Prüfungsanfechtung sind unter anderem:

  • Juristische Prüfungsleistungen, insbesondere Klausuren und mündliche Prüfungen des ersten und zweiten juristischen Staatsexamens
  • Prüfungsleistungen in allen Bachelor- und Masterstudiengängen
  • Modulprüfungen innerhalb eines Studienganges
  • IHK-Prüfungen
  • Gesellen- und Meisterprüfungen
  • Lehramtsprüfungen, zum Beispiel Unterrichtsentwürfe, schriftliche Prüfungsleistungen oder Lehrproben
  • Prüfungen in der Human- oder Zahnmedizin, insbesondere medizinische Staatsexamen, mündliche Prüfungen oder Multiple-Choice-Testverfahren
  • Staatliche Abschlussprüfungen in sozialen Berufen
  • Kaufmännische Abschlussprüfungen
  • Steuerberaterprüfungen, deren Fehlerquelle oftmals in dem unendlich scheinenden Prüfungsstoff liegt
  • Bewertung einer Promotion, zum Beispiel eine fehlerhafte Betreuung der Doktorarbeit, ein fehlerhaft besetzter Promotionsausschuss oder zur Abwehr von Plagiatsvorwürfen
  • Schulische Prüfungsleistungen, zum Beispiel die Abiturprüfung
  • Andere Ausbildungszweige, zum Beispiel Prüfungen im öffentlich-rechtlichen Ausbildungsbereich


Eine große Rolle bei der Bewertung des Sachverhalts spielt das Prüfungsrecht, das sich aus einer Vielzahl von Rechtsnormen zusammensetzt. Die wichtigste anzuwendende Rechtsnorm ist das Grundgesetz und hier insbesondere die in Art. 12 Abs. 1 GG (Grundgesetz) garantierte Berufsfreiheit. Weitere anzuwendende Rechtsnormen sind verschiedene Bundes- und Landesgesetze, im universitären Bereich beispielsweise das Hochschulrahmengesetz. Prüfungsarbeiten unterliegen nach einem Urteil des EuGH (Europäischer Gerichtshof) dem Datenschutzrecht. Das bedeutet, dass Prüflinge ihre Rechte als Betroffene geltend machen können und unter anderem Einsicht in ihre Prüfungsarbeiten verlangen können.

Der Ablauf einer Prüfungsanfechtung

Voraussetzung einer Prüfungsanfechtung ist ein fristgerechter Widerspruch seitens des Betroffenen. Dazu muss der Betroffene innerhalb eines Monats Widerspruch einlegen, nachdem er Kenntnis von dem Prüfungsergebnis erhalten hat. Dies geschieht entweder in Schriftform oder durch die Übermittlung in elektronischer Form. Der Prüfer wird informiert und hat dadurch die Möglichkeit, sein Prüfergebnis zu überdenken und es gegebenenfalls zu ändern. Tut er das nicht, wird der Sachverhalt vor dem Prüfungsamt verhandelt. Kommt das Prüfungsamt zu dem Ergebnis, dass ein Bewertungsfehler vorliegt, wird der Fehler korrigiert und die Note neu berechnet. Handelt es sich stattdessen um einen Verfahrensfehler, wird der Sachverhalt an den Prüfungsausschuss weitergeleitet. Das bedeutet, dass die Prüfung erneut durchgeführt werden muss.

Wird der Widerspruch abgelehnt, steht als weiteres Rechtsmittel eine Klageerhebung vor dem Verwaltungsgericht zur Verfügung. Nach § 67 VwGO (Verwaltungsgerichtsordnung) besteht vor dem Verwaltungsgericht kein Anwaltszwang, sodass der Betroffene den Prozess selbst führen kann. In einem Verfahren vor dem Verwaltungsgericht entstehen neben den eigenen anwaltlichen Kosten die Gerichtskosten sowie außergerichtliche Kosten der Beteiligten des Verfahrens, die von der unterlegenen Partei zu tragen sind.

Oftmals bieten der Asta oder die Studentenwerke eine kostenlose Rechtsberatung für Studenten an. Wichtig ist, sich in Bezug auf die Erfolgsaussichten einer Verwaltungsklage beraten zu lassen. Möglich ist das auch bei einem auf Verwaltungsrecht spezialisierten niedergelassenen Rechtsanwalt, für den allerdings Beratungskosten entstehen, deren Höhe je nach Aufwand variieren kann. Ob eine Rechtsschutzversicherung für Studenten die Kosten für das Verwaltungsverfahren übernimmt, hängt von den individuellen Vertragsvereinbarungen ab.

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Wie hoch ist die Aussicht auf Erfolg?

Gute Erfolgsaussichten in Bezug auf eine Prüfungsanfechtung bestehen, wenn ein Bewertungsfehler vorliegt und beispielsweise eine richtige Antwort als fehlerhaft bewertet wurde. Das gilt auch, wenn ein Prüfer von einer sogenannten Malus-Regelung Gebrauch gemacht hat. Das heißt, dass der Prüfer bei einem Multiple-Choice-Test widerrechtlich bei einer falschen Antwort einen Punktabzug vorgenommen hat. Der Widerspruch hat auch dann Aussicht auf Erfolg, wenn die Prüfungszeit zu knapp bemessen war oder die Prüfung anstelle von den vorgeschriebenen zwei Prüfern nur von einem Prüfer abgenommen wurde.

Grundsätzlich ist die Anfechtung von Ergebnissen staatlicher Prüfungen weniger aussichtsreich, da Prüfungen regelmäßig unter strikter Einhaltung der prüfungsrechtlichen Bestimmungen stattfinden. Bessere Erfolgsaussichten bestehen bei der Anfechtung von Ergebnissen nicht staatlicher Prüfungen. Das gilt insbesondere für sogenannte Massenprüfungen, wie sie beispielsweise bei den Industrie- und Handelskammern durchgeführt werden. Eine vergleichsweise hohe Fehlerquote besteht auch bei Gesellen- und Meisterprüfungen oder bei Abschlussprüfungen in Gesundheitsfachberufen, wo es häufiger zu Bewertungsverfahrensfehler kommt.

Maßgeblich für die Erfolgsaussichten einer Prüfungsanfechtung ist die Beweislage. Insbesondere beim Schreiben einer Abschlussarbeit sollten alle Unterlagen sorgfältig aufbewahrt werden. Selbst kleinste Beweismittel können geeignet sein, um eine Prüfungsanfechtung zu bekräftigen.

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