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Wenn wir Mädels zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen werden, dann stellt sich meistens vor allem eine Frage: Was ziehe ich an? Das hat überhaupt nichts damit zutun, dass wir uns den ganzen Tag nur mit unserem Spiegelbild beschäftigen, sondern viel mehr damit, dass Frau und ihre Kleiderwahl in der Regel noch viel stärker unter die Lupe genommen wird als unsere männlichen Kollegen und ihre Mode. Das ist nicht nur in der Berufswelt so, sondern fast in allen Bereichen unseres Lebens. Damit geht einher, dass wir natürlich einen positiven Eindruck bei unserem potentiellen Arbeitgeber hinterlassen wollen - der Druck wächst. Leider begegnen uns Frauen besonders in Vorstellungsgesprächen noch immer viele Vorurteile, die sich zum Teil sehr subtil und bis zur Unkenntlichkeit paraphrasiert in die Fragen der Personaler einschleichen. Darum ist es gut, wenn man diese “Fallen” kennt und sich schon vorher Gedanken über die eigene Antwort macht!

Frau im Vorstellungsgespräch

Sind Sie schwanger?

Selbst wenn, das geht deinen Personaler erstmal gar nichts an. Auch wenn es unwahrscheinlich ist, dass dir die Frage so direkt gestellt wird, solltest du dir schon vorher überlegen, wie du darauf antwortest. Grundsätzlich ist es verboten, Frauen im Vorstellungsgespräch nach einer Schwangerschaft zu fragen. Nur wenn für dich als werdende Mutter und dein ungeborenes Kind mit deinem neuen Job ein Gesundheitsrisiko einhergeht, solltest du deinen zukünftigen Arbeitgeber darüber informieren. Ansonsten gilt: Notlügen sind erlaubt. Doch noch besser ist es, wenn du mit Witz und Humor reagierst und dem Personaler somit die Absurdität seiner Frage vor Augen führst. Wie wäre es denn mit einer Gegenfrage: Sind Sie denn gerade schwanger? Oder: Ich wusste gar nicht, dass das Voraussetzung für den Job ist. Stand das in der Stellenanzeige?

Wie sieht denn ihre Familienplanung aus?

Ein bisschen subtiler formuliert geht diese Frage doch auch in dieselbe Richtung. Familienplanung ist Privatsache, genauso wie deine sexuelle Orientierung, Religion oder politische Einstellung. Darum darf danach auch nicht gefragt werden, doch natürlich halten sich nicht immer alle Personaler daran. Die Häufigkeit dieser Frage steigt signifikant, wenn die Bewerber*innen Frauen sind. Warum? Weil Mutter Natur es nun mal so eingerichtet hat, dass wir Frauen die Kinder kriegen. Für den Arbeitgeber bedeutet das natürlich Arbeitsausfall, wenn eine Frau in den gesetzlich vorgegebenen Mutterschutz geht. Zum Glück wollen aber auch immer mehr Männer die Zeit nach der Geburt mit ihren Kindern verbringen und nehmen sich daher Elternzeit. Seit diese im Jahr 2007 eingeführt wurde, ist die Beteiligung von drei auf 36 Prozent gestiegen. Durchschnittlich nimmt Mann sich 3,5 Monate Elternzeit. Du oder der Personaler müssen nicht gleich Albert Einstein sein, um ausrechnen zu können, dass das exakt dem Zeitraum des Mutterschutzes entspricht. Wenn du dich traust, dann weise den Personaler im Vorstellungsgespräch gerne auf diese Zahlen und Zusammenhänge hin und die Diskriminierung, die mit dieser Frage einhergeht. Das ist auf jeden Fall sehr straight-forward und daher nicht für jeden etwas, daher lege dir auch für diese Frage schon im Voraus deine nicht ganz so angriffslustigen Antworten zurecht, damit du nicht verlegen ins Stottern gerätst.

Vater und Kind

Wo sehen sie sich in fünf, zehn oder fünfzehn Jahren?

Hier wird nach den Karrierezielen gefragt - aber nicht nur. Denn natürlich hast du auch noch andere Ziele, die du in zehn oder fünfzehn Jahren möglichst erreicht haben möchtest. Eines davon ist die Gründung einer Familie? Genau darauf zielt diese Frage eben auch ab, dessen solltest du dir bewusst sein. Beschränke dich in deiner Antwort daher einzig und allein auf das Berufliche. Am besten sprichst du Kinder und Familie gar nicht selbst an, sondern nur wenn dein Arbeitgeber das Thema aufbringt. Wie immer gilt: Wenn du schon vorher eine Antwort auf diese Frage weißt, dann überrascht dich nichts mehr und du kannst das Gespräch gezielt von deinem Privatleben weglenken.

Was, wenn ihre Kinder mal krank sind?

Du kannst bereits in deiner Bewerbung verschweigen, dass du Kinder hast. Rechtlich ist das vollkommen legitim. Falls du dies aber doch mitgeteilt hast und der Personaler danach fragt, dann ist es wichtig, dass du glaubhaft und selbstbewusst einen Notfallplan vorlegen kannst. Zunächst einmal teilen dein Partner* und du sich die Kinderbetreuung gleichberechtigt auf, dies ist nicht allein deine Aufgabe als Frau in eurer Familie. Doch wie genau regelt ihr das dann? Sprecht euch in jedem Fall vorher ab, sodass du für diesen Fall eine konkrete Antwort parat hast. Du bist alleinerziehend? Können Großeltern involviert werden? Diese Dinge solltest du auf jeden Fall beachten, damit du dich für dein Vorstellungsgespräch darauf einstellen kannst.

looking out over the city

Partner*, Wohnortwechsel, Auslandseinsatz, Wiedereinstieg

Hier wirst du auf deine Flexibilität abgeklopft und natürlich geht es auch hier um Faktoren aus deinem Privatleben, die sich auf deine Leistung am Arbeitsplatz auswirken können. Steht dein Partner* hinter deinen beruflichen Zielen? Was hält er oder sie von einem Wohnortwechsel oder einem Auslandsaufenthalt? Hier ist es wichtig, dass du deutlich machst, dass ihr gemeinsam an einem Strang zieht und euch gegenseitig bei der Verwirklichung eurer Karriere unterstützt. Auch bei einem Wiedereinstieg in den Beruf, zum Beispiel nach einer längeren Pause nach der Geburt eines Kindes, kommen von Seiten der Personaler viele Fragen auf. Dabei gibt es kaum einen Job, der so viel Flexibilität, Organisationstalent, Kreativität und Improvisation erfordert wie das Elterndasein. Diese Soft-Skills solltest du in deiner Antwort auf jeden Fall betonen, dann klappt es auch mit deiner Einstellung!

Selbstpräsentation und Körperhaltung

Wie du in einem Vorstellungsgespräch auftrittst, macht oft den Unterschied bei der endgültigen Auswahl der Kandidaten. Das hörst du sicher nicht zum ersten Mal, denn so ziemlich jedes Bewerbungstraining seit der zehnten Klasse trichtert uns ein, dass wir selbstbewusst auftreten müssen. Und das ist auch richtig so, denn wir Frauen tendieren zu wesentlich stärkerer Selbstkritik als Männer, dabei haben wir das in der Regel gar nicht nötig. Unsere Qualifikationen sind mindestens genauso gut, in vielen Fällen sogar besser, als die unserer männlichen Konkurrenz. Dennoch stellen wir unsere Schwächen in den Vordergrund, statt uns auf das zu konzentrieren, was wir wirklich gut können. Natürlich gilt das nicht für jede von uns und verallgemeinern wollen wir auf keinen Fall, trotzdem kann so ein kleiner Reminder nicht schaden. Also, stelle deine Stärken heraus und wenn es doch um deine Schwachstellen geht, dann überlege dir, was du daraus gelernt hast, um noch besser zu werden, indem was du tust.

work work work

Kleidung, Kleidung, Kleidung

Was du zu einem Bewerbungsgespräch tragen solltest, ist stark von der Branche abhängig. Grundsätzlich solltest du dich aber an eine Regel halten: Besser overdressed, als underdressed, sonst wirkst du schnell, als würdest du den Job nicht wirklich ernst nehmen. Dann kommt natürlich die Frage auf: Hose oder Rock? Das Problem bei einem Rock ist, dass er schnell zu kurz sein kann (die Länge, bzw. Kürze der Kleidung bei Frauen ist ein viel diskutiertes und “kontroverses” Thema in allen möglichen Bereichen unseres Lebens!) oder zu eng, sodass du kaum die Treppen steigen kannst, ohne dabei seltsam zu eiern. Dasselbe gilt für High Heels. Im Zweifelsfalle wähle also lieber die elegante Hose und flache, aber dem Anlass entsprechende Footwear.  

Puh, all das muss ich beachten? Ja, leider. Klar, wäre es schön, wenn sich Fragen nach der Familienplanung in Vorstellungsgesprächen in Luft auflösen würden, doch bis es so weit ist, muss Frau häufig diesen Extraschritt mehr machen und sich doppelt so gut vorbereiten. Aber: Wissen ist Macht, darum nutze die Gelegenheit und erkundige dich online auf Plattformen wie Xing oder LinkedIn über das Unternehmen und seine Strukturen und nutze dieses Wissen zu deinem Vorteil. Zeig, was du drauf hast und lass dich nicht von einem Personaler mit seltsamen Fragen aus dem Konzept bringen. Du schaffst das!

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